Stadt Zülpich hatte zusammen mit dem Erftverband und dem Planungsbüro Fischer Teamplan zu einer zweiten Bürgerworkshop-Reihe eingeladen
Die Entwicklung eines Hochwasser- und Starkregenschutzkonzeptes für das Stadtgebiet Zülpich biegt allmählich auf die Zielgerade ein. Ein weiterer wichtiger Schritt in dem vom Land NRW geförderten, mehrstufigen Entwicklungsverfahren ist die Durchführung von Bürgerworkshops. In der ersten Projektphase fanden bereits im Dezember 2023 drei Bürgerworkshops statt, die auf die betroffenen Ortslagen zugeschnitten waren. Dabei wurde aus der Bürgerschaft eine Vielzahl an Schadensmeldungen und Maßnahmenideen eingebracht und anschließend auf Wirksamkeit sowie Umsetzbarkeit geprüft.
In den vergangenen Tagen fand nun die zweite Workshop-Serie statt. Bei drei wiederum gut besuchten Veranstaltungen – in der Schwerfener und der Wichtericher Schützenhalle sowie im Forum Zülpich – wurden die auf Basis der Eingaben aus der Bevölkerung sowie der Politik, der Landwirtschaft und von Seiten der Ortsvorsteher entwickelten Schutzmaßnahmen vorgestellt und erläutert. „Wir haben während und nach der ersten Workshop-Reihe 110 Ideen und Vorschläge zur Verbesserung des Hochwasserschutzes erhalten“, berichtete Bürgermeister Ulf Hürtgen. Daraus habe die Stadt Zülpich in Zusammenarbeit mit dem Erftverband und dem beauftragten Planungsbüro Fischer Teamplan 33 Schutzmaßnahmen entwickelt. Diese wurden während der Workshops von Ruth Haltof und Dr. Julian Struck vom Erftverband sowie Manuel Sportmann vom Büro Fischer Teamplan und Dr. Peter Kramp (Projektsteuerung Fischer Teamplan) vorgestellt.
Die beiden größten Maßnahmen sind der Hochwasserabschlag vom Vlattener Bach bei Lövenich in den Wassersportsee, der sich bereits in der Umsetzungsphase befindet, und das im Weingartener Tal oberhalb von Schwerfen geplante Hochwasserrückhaltebecken. Allein diese beiden Projekte mit einem potentiellen Stauvolumen von rund 800.000 beziehungsweise 230.000 Kubikmetern werden eine erhebliche Verbesserung im Hochwasserfall zur Folge haben. Das Hochwasserrückhaltebecken im Weingartener Tal wurde von der Bezirksregierung Köln sogar als Modellprojekt für vergleichbar anspruchsvolle Vorhaben eingestuft. „Wir üben weiterhin an allen Stellen Druck aus, damit es mit diesem wichtigen Projekt vorangeht“, so Bürgermeister Hürtgen. „Durch den Erwerb zusätzlicher Flächen ist es außerdem gelungen, hier die maximal mögliche Einstaufläche zu schaffen.“
Auch die bereits in der Genehmigungsphase befindliche Umwandlung des Kommerner Mühlensees in ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Stauvolumen von rund 95.000 Kubikmetern wird sich positiv auf den Hochwasserschutz im Stadtgebiet Zülpich auswirken. Darüber hinaus sind an vielen Stellen im
gesamten Stadtgebiet weitere kleinere Maßnahmen geplant und teilweise auch schon umgesetzt. Dabei handelt es sich meist um Ableit- und Abfanggräben oder auch Wegeaufhöhungen, die verhindern sollen, dass Wasser in die Ortschaften gelangt.
Vieles, was in den Workshops vorgestellt wurde, ist derzeit noch Theorie. Was davon zu welchem Zeitpunkt realisiert werden kann, ist nicht zuletzt auch eine Frage der Finanzierung. „Hier sind Bund und Land gefordert, denn die Kommunen und Wasserverbände können den Hochwasser- und Starkregenschutz nicht alleine stemmen“, sagte Bürgermeister Hürtgen.
Bei allem, was auf kommunaler und interkommunaler Ebene getan wird, appellierte Dr. Peter Kramp allerdings auch an die Eigenverantwortung: „Durch die vorgestellten Maßnahmen wird es an vielen Stellen besser werden, aber jeder muss auch schauen, was er für sich selbst und sein Haus tun kann“, so Kramp. „Hier erlebe ich leider häufig schon eine gewisse Hochwasserdemenz.“
Wie ein praxisgerechter und wirtschaftlicher Überflutungsschutz für das eigene Haus erreicht werden kann, darüber konnten sich Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des Bürgerworkshops im Forum Zülpich bei den Experten vom Hochwasser-KompetenzCentrum (HKC) informieren – ein Angebot, von dem rege Gebrauch gemacht wurde.
Die neu gewonnen Erkenntnisse aus der zweiten Workshop-Reihe sollen nun in die Weiterentwicklung des Hochwasser- und Starkregenschutzkonzeptes für die Stadt Zülpich einfließen. Die Verabschiedung des fertigen Konzeptes im Rat der Stadt Zülpich ist für Herbst dieses Jahres geplant.
Viele Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, um sich bei den Bürgerworkshops in Schwerfen, Wichterich und Zülpich aus erster Hand über den aktuellen Sachstand beim Hochwasserund Starkregenschutz im Stadtgebiet Zülpich zu informieren. Foto: Stadt Zülpich / Torsten Beulen
