Hochwasserschutzkonzept für Bad Münstereifel beschlossen

8. Juni 2026 | Aktuelles

Der Bad Münstereifeler Stadtrat hat eine der wichtigsten Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen: Das kommunale Hochwasserschutzkonzept für Bad Münstereifel ist beschlossen. Das Konzept führt 20 Maßnahmen für den präventiven Hochwasserschutz im Einzugsgebiet der Erft auf. In das Konzept flossen insbesondere Erkenntnisse aus den kartierten Schäden des Hochwassers 2021, aus Beobachtungen der Bürgerinnen und Bürger und aus weitreichenden Untersuchungen der Okeanos Smart Data Solutions GmbH, die das Hochwasserschutzkonzept erstellt hat, ein. Im Fokus stehen vor allem die Orte, die 2021 besonders schwer getroffen wurden: Arloff-Kirspenich, Bad Münstereifel, Eicherscheid, Gilsdorf, Iversheim und Schönau. Betrachtet und in die Schutzwirkung einbezogen wurden aber alle Orte im Einzugsgebiet der Erft.

Unterteilung in drei Gebiete

Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen von Rückhaltebecken und Schutzwällen bis zum verbesserten Abfluss in Gewässern. Ein Großteil der Maßnahmen setzt sich aus Hochwasser- oder Regenrückhaltebecken verschiedener Größen zusammen. Da die Becken nicht im Dauerstau betrieben werden, ist weiterhin eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Flächen möglich. Insgesamt kann ein Retentionsvolumen von bis zu 500.000 m³ erreicht werden. Die Maßnahmen wurden in drei Gebiete unterteilt:

  1. Gebiet der Erft und ihrer Nebengewässer oberhalb des bestehenden Hochwasserrückhaltebeckens (HRB) Eicherscheid
  2. Gebiet der Erft und ihrer Nebengewässer vom HRB Eicherscheid bis zur Einmündung des Eschweiler Bachs
  3. Gebiet des Eschweiler Bachs und Gebiet der Erft ab Iversheim

Innerhalb dieser drei Gebiete wurden die geplanten Maßnahmen in drei Priorisierungsstufen unterteilt. „Nur die Gesamtheit der Maßnahmen wird den gewünschten Schutz bewirken“, sagt Ralf Wassong, technischer Leiter der Stadtwerke. Gemeinsam mit Sachgebietsleiter Jürgen Metzen hat er die Erstellung des Hochwasserschutzkonzepts seitens der Stadt maßgeblich begleitet.

Zweieinhalb Jahre Arbeit

„Ich bin sehr froh, dass wir diesen wichtigen Schritt jetzt gegangen sind. In dem Konzept stecken mehr als zweieinhalb Jahre Arbeit“, sagt Bürgermeister Sebastian Glatzel: „Größere Bauwerke werden noch aufwendige und zeitintensive Genehmigungs- und Bauverfahren in Anspruch nehmen. Um schnelle Ergebnisse zu erzielen, sollen Maßnahmen mit geringerem Genehmigungsbedarf besonders zügig angegangen und innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahren umgesetzt werden.“ Dies soll in allen drei Teilgebieten parallel geschehen, um schnell erste Schutzwirkungen zu erzielen. Für einige Maßnahmen muss die Stadt noch die benötigten Flächen erwerben. „Die Gespräche, die die Stadt bisher geführt hat, stimmen uns optimistisch“, so der Bürgermeister.
Die Maßnahmen sind darauf ausgelegt, dass ein Hochwasserereignis, welches statistisch gesehen alle 100 Jahre auftritt (kurz HQ100), schadlos überstanden wird. Dieses Ziel kann nicht überall vollständig erreicht werden, aber die Auswirkungen werden deutlich reduziert. Bei Hochwasser- oder Starkregenereignissen, die öfter als einmal in 100 Jahren auftreten, können bisherige Schäden an vielen Orten künftig komplett verhindert werden. „2021 lag das Hochwasser allerdings bei weitem über einem HQ100“, erklärt Bürgermeister Glatzel: „Davor ist ein vollständiger Schutz technisch schlichtweg nicht machbar. Aber auch hier können die Folgen durch die Maßnahmen reduziert werden.“

Finanzierung über Fördermittel

Die Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen ist teuer. Aus dem städtischen Haushalt kann die Finanzierung nicht gestemmt werden. Gesichert ist sie allerdings, denn im vergangenen Jahr wurden der Stadt vom Land NRW für 17 Maßnahmen rund 18,7 Millionen Euro aus Mitteln des Wiederaufbaus zugesichert. Inzwischen ist das Konzept um drei Maßnahmen erweitert worden. Auch dafür sind bereits Fördermittel in Aussicht.

Erftverband baut ebenfalls

Zusätzlich zu diesen städtischen Vorhaben verfolgt der Erftverband die Errichtung des Hochwasserrückhaltebeckens „Möschemer Mühle“ am Eschweiler Bach in Höhe des Gewerbebetriebs Iversheim. Dieses Bauwerk hat große Bedeutung für die untere Erft. Ersten Planungen zufolge könnte dort ein Wasservolumen von bis zu 400.000 m³ zurückgehalten werden. Ein weiteres, wichtiges Element des Hochwasserschutzes ist das Frühwarnsystem der Stadt, das 2025 in Betrieb genommen wurde. Es verfügt über 13 digitale Messpegel an kleinen Gewässern und wird aktuell um Bodenfeuchtesensoren ergänzt. „Neben den kommunalen Maßnahmen sollten Hauseigentümer aber auch den privaten Hochwasserschutz nicht vernachlässigen“, appelliert Bürgermeister Sebastian Glatzel an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.

Weitere Informationen gibt es im „Infoportal Hochwasserschutz“ unter www.bad-muenstereifel.de.